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02.03.2012

Berater haben alle Hände voll zu tun

Die Krise 2009 ist weit weg, die Branche schafft ein weiteres Rekordjahr.

Die Umsätze steigen zweistellig, doch die Gewinnmargen schrumpfen.

 
 


Die etwa 91000 Unternehmensberater in Deutschland machen wieder Nachtschichten – und gute Geschäfte. Im Jahr 2011 erwirtschafteten sie einen Rekordumsatz von 20,6 Milliarden Euro. Das ist ein Plus von 9,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Antonio Schnieder, Präsident des Bundesverbands Deutscher Unternehmensberater (BDU) zeigte sich von der positiven Entwicklung der Branche selbst überrascht. „Im zweiten Halbjahr hat das Wachstum noch einmal kräftig angezogen“, sagte der Deutschland-Chef von Capgemini Consulting gestern bei der Vorstellung der Branchenzahlen.

„Kunden fragen wieder deutlich umfangreichere Projekte nach“, bestätigt Gerd Kerkhoff, Chef von Kerkhoff Consulting. Bis vor zehn Jahren entwickelte sich die Beraterbranche noch antizyklisch zur Konjunktur. Das heißt: Gingen die Geschäfte schlecht, holten sich Firmen Berater ins Haus. Heute verläuft die Umsatzkurve relativ parallel zur Wirtschaft.

Von Zurückhaltung der Kunden angesichts einer drohenden Euro-Krise spüren Beratungen derzeit wenig. Der Schock der Finanzkrise sitzt aber noch tief. Damals brach der Umsatz etlicher Beratungen zum Teil zweistellig ein. Momentan aber haben deutsche Unternehmen dicke finanzielle Polster. Viele nutzen diese und holen sich Berater, um ihr Haus krisenfest zu machen. „Kunden fragen vor allem nach Strategien in volatilen Märkten“, sagt Martin Sonnenschein, Zentraleuropa-Chef von A.T. Kearney. Dabei arbeiten Berater immer mehr mit Szenarien – verstärkt auch für Mittelständler.

Honorare haben sich erholt

Daneben stehen Projekte zur Nachhaltigkeit und Effizienzsteigerung weiter hoch im Kurs. Große Nachfrage besteht laut Klaus-Peter Gushurst, Deutschland-Chef von Booz & Company, auch nach Strategien zur Verlagerung der Produktion in Schwellenländer wie China.

Starke Umsatzimpulse für Berater kommen aus dem Fahrzeugbau und der Konsumgüterindustrie. Das Wachstum geht aber quer durch alle Kundenbranchen. Auch Finanzdienstleister lassen sich verstärkt in Sachen Restrukturierung und Risikomanagement beraten.

Um die Honorare gibt es weiterhin einen harten Wettbewerb. Das bestätigt Finja Kütz, Deutschland-Chefin von Oliver Wyman. Die Krisenjahre mit Preisschlachten und erheblichen Rabatten nach der Devise „Nimm zwei Berater, zahl einen!“ sind allerdings vorbei. „Wir haben 2011 unsere Honorare moderat erhöht“, sagt nicht nur A.T.-Kearney-Chef Sonnenschein. Im Schnitt konnten die Beratungen laut BDU um zwei bis drei Prozent höhere Preise durchsetzen.

„Dennoch werden die Gewinnmargen für Beratungen immer kleiner“, sagt BDU-Präsident Schnieder. Der Grund: Beratungen müssen die besten Köpfe mit höheren Gehältern locken – inzwischen zahlt auch die Industrie deutlich besser. Zudem investieren die meisten Häuser erheblich mehr in ihre Research-Stäbe und die interne Weiterbildung. Denn die Anforderungen der Kunden an die Expertise der Berater steigen.

So hat Roland Berger gerade die „Roland Berger School of Strategy and Economics“ in München eröffnet. Standorte in Peking und Berlin folgen. Zunächst sollen die eigenen Berater fortgebildet werden, ab 2013 auch Kunden. Branchenführer McKinsey hat mit dem weltweit ersten „Capability Center“ in München für das Training von Klientenmitarbeitern ebenfalls neue Wege beschritten. Das passt zum Trend: Mitarbeiter von Kunden werden laut BDU immer stärker in Beratungsprojekte einbezogen. „Betroffene zu Beteiligten machen“, nennt das Schnieder.

Kundennähe ist ein immer wichtigerer Wettbewerbsfaktor, genauso wie Internationalität. „Große Beratungen, die umfassend und weltweit beraten können, werden weiter wachsen“, prophezeit Dietmar Fink, Professor für Unternehmensberatung der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg. Auch Spezialberatungen wie Simon-Kucher (Preisstrategie) oder Brainnet und Kerkhoff (Lieferkette) wachsen zweistellig in lukrativen Nischen. „Mittelgroße, wenig spezialisierte Häuser dagegen haben es künftig schwerer“, sagt Fink.

Insgesamt aber schaut die Brancheoptimistisch in die Zukunft. Für 2012erwartet BDU-Präsident Schnieder ein zweistelliges Wachstum: „Von2010 bis 2020 ist sogar eine Verdoppelung des Branchenumsatzes möglich. “Das bedeutet für viele Berater: noch mehr Nachtschichten.

 

Autorin: Katrin Terpitz
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