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12.04.2011

Einkäufer haben die Qual der Wahl

Bei der Lieferantenauswahl sollten Unternehmen auch Faktoren wie Personalqualifizierung, Logistik, Flexibilität und Nachhaltigkeit einbeziehen.

Die internationale Beschaffung gehorcht neuen Spielregeln. Häufig werden besonders lohnintensive Produkte aus Niedriglohnländern wie China oder Indien beschafft. Mittlerweile steigen die Löhne aber auch in diesen Ländern überdurchschnittlich und nähern sich zum Beispiel in China bei hochqualifizierten Arbeitskräften dem westlichen Niveau an. Die Verknappung von Rohstoffen ist ein weiterer Grund, warum Unternehmen häufig im Ausland nach geeigneten Lieferan¬ten suchen. Doch der Bedarf an Rohstoffen steigt überproportional an. Die Versorgungssicherheit ist somit dort nicht unbedingt gewährleistet, die Beschaffung längst nicht mehr so kostengünstig. Im Zuge sich ändernder Beschaffungsmärkte ist daher eine detaillierte Marktforschung essenziell. Jedes Unternehmen kann so eine individuelle Einkaufsstrategie entwickeln und auf dieser Basis die Lieferanten auswählen. Ein Unternehmen sollte dabei so flexibel wie möglich sein, um die Abhängigkeit von Zulieferern zu verringern und die Versorgungssicherheit sicherzustellen. Hier gilt es, die richtige Balance zwischen Risiko und Nutzen zu finden.

Osteuropa als Alternative

Beim Global Sourcing muss künftig noch stärker abgewogen werden, ob die Kosten der weltweit bezogenen Waren noch geringer sind als bei der Beschaffung über regionale Lieferanten. Auch die Qualifikation des Personals in Global-Sourcing-Ländern ist ein wichtiger Faktor für die Lieferantenauswahl. Damit die Produkte deutschen Qualitätsstandards genügen, muss ein Hersteller oft erst in die Qualifizierung investieren. Dadurch können mögliche Einsparungen zumindest im ersten Jahr noch gering ausfallen. Im Zweifel mag es daher sinnvoll sein, zunächst die bestehenden Lieferanten weiterzuentwickeln. Oder in neue Märkte wie Bangladesch oder Brasilien zu investieren – immer mit dem Risiko, gerade zu Beginn vielleicht nicht die gewohnte Qualität zu erhalten.

Eine gute Alternative sind die deutschen Nachbarländer, die derzeit gute Bedingungen bieten. Die Lohnkosten in Osteuropa sind zum Beispiel noch deutlich geringer als hier¬zulande. Gleichzeitig hat der Qualifizierungs- und Professionalisierungsgrad deutlich zugenommen. Dazu kommen die logistische Nähe und damit eine größere Flexibilität in der Versorgung. Noch reagiert der Mittelstand jedoch zögerlich in Sachen Near Sourcing. Denn diese Beschaffungsmärkte standen bisher auch aufgrund der starken Asien-Orientierung nicht im Fokus.

Nachhaltigkeit senkt Kosten
Durch die Veränderung der Nachfrage steigen außerdem die Anforderungen an einen Lieferanten. Ein Trend: Die Kunden fragen verstärkt ökologische Produkte nach. Darüber hinaus verlangen striktere Regelungen von staatlichen Institutionen, dass sich Hersteller stärker mit nachhaltigen Produkten befassen müssen. Unternehmen sind daher angehalten, ihre Supply Chains nicht mehr nur an den drei Kriterien Preis, Qualität und Service zu orientieren, sondern um den Faktor Nachhaltigkeit zu erweitern.

Eine Studie vom Kerkhoff Com¬petence Center of Supply Chain Management aus dem vergangenen Jahr zeigt: Immer mehr Unternehmen gehen davon aus, dass die Nachhaltigkeit in der Lieferkette zu einem Wettbewerbsvorteil führt. Viele befürchten allerdings immer noch stark erhöhte Kosten durch steigende Beschaffungspreise. Dabei ist zum Beispiel ein schadstoffarmes Produkt günstiger zu transportieren, zu lagern, zu verwenden und zu entsorgen als sein giftiges Pendant. Außerdem sind weniger formale Genehmigungen und sicherheitstechnische Anforderungen vonnöten. Weitere Kostenreduktionen lassen sich in den Bereichen Energievermeidung, Materialreduzierung oder Einsparung von Rohstoffen erzielen. Zum Beispiel können Unternehmen durch die Umstellung auf umweltfreundliche Verpackungsmaterialien sowohl Kosten als auch das Abfallaufkommen deutlich reduzieren.

Logistik ist kritischer Faktor
Ein ganz entscheidender Faktor für eine nachhaltige Supply Chain ist die Logistik, denn etwa 20 Prozent aller CO2-Ausstöße weltweit entstehen beim Warentransport. So werden Logistikunternehmen nicht mehr nur ausschließlich nach ihrem Preis ausgewählt, sondern nach ihren Strategien in Bezug auf Umweltfreundlichkeit. Immer mehr Dienstleister geben bereits freiwillig den CO2-Fußabdruck an. CO2-Kennzeichnungen ermöglichen eine Transparenz und einen Vergleich für den potenziellen Auftraggeber. Sie sind somit Ansporn, die CO2-Emissionen zu senken.

Vor allem für viele mittelständische Unternehmen ist Green Procurement – die umweltbewusste Beschaffung von Materialien – bisher nur ein Modewort. Ihnen fehlen noch der Überblick über die neuen Standards und ein konkretes Konzept für die grüne Beschaffung.

Logistikaspekte werden bei der Auswahl von Lieferanten oft vernachlässigt, dabei können sie ein entscheidender Wettbewerbsvorteil sein. Die wichtige Frage: Kann der Lieferant die vom Unternehmen gewünschten Logistikkonzepte umsetzen, um die Verfügbarkeit von Materialien und Waren zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu gewährleisten? Denn nicht jeder Zulieferer ist in der Lage, bei Bedarf ein Kanbansystem und damit eine Belieferung nach dem Just-in-time-Prinzip umzusetzen. Die Anpassungsfähigkeit des Lieferanten an mögliche Schwankungen im Bestellvolumen und somit flexible Belieferungskonzepte sind zentrale Punkte.

Die Transportfrage klären
Weitere Aspekte, die betrachtet werden müssen, sind die Verpackung und die Transportabwicklung. Vielen Unternehmen ist nicht bewusst, dass die Verpackung und die damit verbundenen Handlingkosten einen nicht unerheblichen Teil der Logistikkosten ausmachen. Durch die Festlegung von Verpackungs- und Behältervorgaben in einer Logistikrichtlinie kann ein Standard etabliert werden, der zu weniger Fehlern, verkürzten Durchlaufzeiten und verringerten Kosten beitragen kann. Bei der Transportabwicklung muss im Vorfeld die Übernahme der Speditionskosten geklärt werden. Übernimmt der Lieferant die Logistik, bietet dies dem Unternehmen einerseits hohen Komfort, andererseits geht ihm die Kostentransparenz verloren. Kümmert sich das Unternehmen um die Beauftragung eines Spediteurs, sind zwar die Kosten transparent. Im Gegenzug ist jedoch der Aufwand höher, da zum Beispiel IT-Schnittstellen geschaffen oder Personal abgestellt werden muss.

Insgesamt können Logistikdienstleistungen als Service des Zulieferers betrachtet werden, der die Kundenzufriedenheit beeinflusst. Dabei muss aber immer zwischen Kosten- und Servicezielen abgewogen werden. Ein hoher Servicelevel kann sich auf den ersten Blick in hohen Logistikkosten niederschlagen. Bei detaillierter Betrachtung aller Supply-Chain-Prozesse können die Kosten aber in Summe geringer ausfallen.


Wie Unternehmen Lieferengpässe vermeiden können
Die Einkaufs- und Auftragsaktivitäten entwickeln sich derzeit positiv, können jedoch zu Problemen in der Versorgungssicherheit führen. Ein Grund: Produktionskapazitäten und Bestände wurden während der Krise stark reduziert. Auch Krisen wie derzeit in Japan können Lieferengpässe zur Folge haben, besonders bei Unternehmen ohne Risikomanagement. Hier einige Tipps für die Versorgungssicherheit:

  • Szenarioplanung: Der Einkauf muss die für die Produktion wichtigsten Warengruppen und Lieferanten identifizieren, um Risiken und Engpässe frühzeitig erkennen zu können. Die Entwicklung von Szenarios für mögliche Marktentwicklungen sowie die entsprechenden Notfallpläne, ermöglichen dem Einkauf, zügiger und flexibler auf Krisen zu reagieren.
  • Strategische Partnerschaften: Eng miteinander verbundene Partner kennen die Stärken und Schwächen des anderen und können in kritischen Situationen besser gegensteuern. Durch die gebotenen strategischen Vorteile für den Lieferanten wird ver¬hindert, dass in Zeiten von Lieferengpässen womöglich der objektiv lohnendere Auftrag eines anderen Un¬ternehmens vorgezogen wird.
  • Alternativlieferanten: Um Lieferengpässe zu vermeiden, aber auch um sich vor Lieferanteninsolvenzen oder -oligopolen zu schützen, sollten Unternehmen von einer Single-Sourcing-Strategie auf eine Mehrquellenversorgung (Multiple Sourcing) umsteigen. Damit kann ein Unternehmen bei Ausfall eines wichtigen Lieferanten, die Ware aus einer anderen Quelle beziehen.
  • Auf operative Arbeit umstellen: Ist es bereits zu Lieferengpässen gekommen, können zum Beispiel regelmäßige Telefonate mit Lieferanten, die Anpassung der Lieferpläne, die Suche nach Alternativen sowie Preisverhandlungen mit den Zulieferern kurzfristig Abhilfe schaffen.

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