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30.01.2014

Einkauf in Deutschland - Gemeinsam mehr erreichen

Durch Kooperationen mit Gleichgesinnten können Unternehmen nicht nur Aufwand und Kosten reduzieren, sondern auch Einfluss auf die Qualität der Waren nehmen.

Der Anteil ist beachtlich: Über 80 Prozent seiner Waren bestellt Edeka-Händler Volker Bergmann aus Lüneburg über seine Einkaufsgemeinschaft. Diese übernimmt mit ihren sieben regionalen Großhandelsbetrieben nicht nur die Beschaffung der täglich frisch gelieferten Waren, sondern auf Wunsch auch kostenfreie Dienstleistungen wie Preispflege, Sortimentsberatung und Marketing für ihn. „Ohne einen leistungsfähigen Großhändler im Hintergrund könnten wir das Warengeschäft heute gar nicht mehr betreiben. Wir würden als einzelne Kaufleute bei dem großen Sortiment, das der Kunde erwartet, schlichtweg Beschaffungsprobleme bekommen“, erklärt er. Dabei hat er sich bewusst für die genossenschaftlich organisierte Edeka entschieden, da jedes Mitglied auch Inhaber ist und ein Mitspracherecht hat.

Einkaufsgemeinschaften bieten kleinen und mittleren Betrieben die Möglichkeit, bei Lieferanten Konditionen und Preise wie Großabnehmer zu erhalten. Im Zusammenschluss senken sie nicht nur die Kosten und den Aufwand für ihren Einkauf, sondern auch für den Zwischenhandel und die Logistik. Über 800 Kooperationen quer durch alle Branchen zählt das Portal Einkaufsgemeinschaften.eu auf dem deutschsprachigen Markt. Außer dem Beitritt zu einer bestehenden Einkaufsgemeinschaft haben Gleichgesinnte beispielsweise aus derselben Region die Möglichkeit, selbst eine zu gründen. Sehr sinnvoll ist das für große Bestellvolumina und standardisierte Produkte.

Bei Plänen zur Einkaufsoptimierung lohnt sich immer auch ein Blick auf die bisherigen Lieferanten. Nach Experteneinschätzung besorgen 80 Prozent nur 20 Prozent des Beschaffungsvolumens. Die Folge: Einkäufer verzetteln sich mit den weniger bedeutenden Lieferanten, statt sich auf die strategisch wichtigen zu konzentrieren und mit ihnen bessere Konditionen auszuhandeln oder Lieferantenpartnerschaften einzugehen, wie es die Automobilindustrie bereits seit Jahren erfolgreich praktiziert. Das Fokussieren auf die wichtigsten Lieferanten bietet Firmen neben Einsparmöglichkeiten auch die Chance, die Qualität der gelieferten Waren zu beeinflussen.

Die Lieferanten zeigen sich den Kooperationen gegenüber aufgeschlossen. Frank Schipper, Inhaber des Elektrofachmarkts Euronics XXL in Lüdinghausen bei Münster, erklärt den Hintergrund: „Früher wurde massenweise produziert und alles verkauft, bis die Lager leer waren. Heute werden die Produktzyklen immer schneller, gerade was unseren Bereich der Unterhaltungselektronik betrifft.“ Die Folge sei, dass Waren kaum noch auf Lager gehalten, sondern just in time produziert würden. Schipper ergänzt: „Wenn wir eine bestimmte Menge zu einem bestimmten Preis haben wollen, müssen wir rechtzeitig bestellen. Damit erhalten auch die Industrie und die Lieferanten eine langfristige Planungssicherheit.“

Vor einem Radikalschnitt bei der Lieferantenzahl warnt Dirk Schäfer, stellvertretender Vorsitzender der Geschäftsführung der Unternehmensberatung Kerkhoff Consulting in Düsseldorf, und sagt: „Bei unkritischen Produkten wie Büromaterial reicht durchaus ein Lieferant. Bei Produktionsmaterialien, die strategisch wichtig sind, sollte man sich mindestens einen zweiten Lieferanten für jede Warengruppe aufbauen, damit die Versorgungssicherheit gewährleistet ist.“

Diesen Rat befolgte Josef M. Mertens, kaufmännischer Geschäftsführer der Montanhydraulik GmbH in Holzwickede. Das Unternehmen mit 800 Mitarbeitern im Ruhrgebiet stellt Hydraulikzylinder und Steuerungssysteme für den Maschinenbau her. „In den Krisenjahren 2009 und 2010 suchten wir nach Einsparmöglichkeiten im Einkauf und analysierten zunächst unsere Materialien, die wir in Gruppen zusammenführten. Dazu listeten wir jeweils die Lieferanten auf“, erklärt er.

Mit Unterstützung der Berater von Kerkhoff Consulting hat er diese dann nach Wichtigkeit für das jeweilige Endprodukt klassifiziert. „Schon im ersten Anlauf konnten wir die Lieferantenzahl um 15 Prozent reduzieren“, so Mertens. Allein beim strategisch wichtigsten Produkt Stahl schaffte er es durch die Bündelung, die Zahl von 15 auf 4 Zulieferer zu verringern. Viel weniger sollten es auch nicht sein. „Neben der Absicherung, wenn einer ausfällt, haben wir auch eine bessere Ausgangslage bei Preisverhandlungen“, erklärt er.

Bei der Wahl der Lieferanten sollte man jedoch nicht nur auf den Preis und die Qualität schielen. Deshalb meint Mertens: Gerade bei strategisch wichtigen Materialien sollte man eine Risikobeurteilung durchführen. Wie gut ist der Lieferant aufgestellt? Kann er auch einmal eine Krise überstehen? Das ist auch für Edeka-Kaufmann Volker Bergmann und seine Einkaufsgemeinschaft ein ganz entscheidender Punkt.

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