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10.02.2012

Griechen verschwenden im öffentlichen Einkauf Geld

Mit einem modernen Beschaffungswesen könnte das Budgetdefizit um ein Fünftel sinken

Her. ABU DHABI, 9. Februar. Allein durch die Modernisierung seines rückständigen öffentlichen Beschaffungswesens könnte der griechische Staat mindestens 4,6 Milliarden Euro sparen und das Haushaltsdefizit um 20 Prozent senken, ohne Leistungen einschränken zu müssen. Zu diesem Ergebnis kommen das Düsseldorfer Beratungsunternehmen Kerkhoff und Erik Hofmann von der Universität Sankt Gallen in einer Untersuchung zum Sparpotential, sollte Griechenland beim Einkauf ähnliche Verfahren anwenden wie andere EU-Staaten. Sie weisen damit auf einen Aspekt zur Senkung des hohen griechischen Staatsdefizits hin, der bislang nicht beachtet worden ist. Im vergangenen Jahr lag das griechische Etatdefizit bei 9,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. 

Jedes Unternehmen das sich in einer Krise befinde, reduziere seine Kosten durch den Abbau von Personal und durch die Überprüfung der Einkaufsstrukturen, sagt Gerd Kerkhoff, der Geschäftsführer von Kerkhoff Consulting. In Griechenland geschehe das aber nicht. Die Troika und die Regierung diskutieren vorwiegend Maßnahmen wie Steuererhöhungen und Leistungssenkungen. Die Handlungsspielräume dazu sind weitgehend ausgeschöpft. Daher sollten die EU-Staaten auf konkrete Maßnahmen zur Modernisierung des öffentlichen Beschaffungswesens in Griechenland drängen, regt Kerkhoff an, der sich auf die Rationalisierung von Einkaufsverfahren spezialisiert hat. 
Griechenland verschwendet beim Einkauf Ressourcen.

Bauaufträge können nach den baurechtlichen Vorschriften Griechenlands zu Arbeiten „besonderer Art“ erklärt werden, was eine Vergabe ohne Ausschreibung zulässt. „Das öffnet doch der Korruption Tür und Tor“, sagt Kerkhoff. Auch in anderen Branchen gibt es oft keine Ausschreibungen, und im Gesundheitswesen bieten die Lieferanten medizinische Geräte zu einem Preis an, der ein Vielfaches über den Preisen in anderen EU Ländern liegt, weil die Unternehmen jahrelange Zahlungsverzögerungen einkalkulieren. 

Kerkhoff und Hofmann empfehlen zwei Schritte zur Modernisierung der Beschaffung. Zum einen haben sie errechnet, dass sich mit der Professionalisierung des Einkaufs 2,9 Milliarden Euro sparen lassen - 1,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. So ist zwar der Zentralisierungsgrad bei den Beschaffungen hoch, wodurch viel am Bedarf vorbei bestellt wird. Andererseits bündelt Griechenland seine Einkäufe nicht in einer zentralen Behörde wie dem deutschen „Beschaffungsamt des Bundesministeriums des Innern“. Zudem hat Hofmann einen geringen Ausschreibungsanteil ermittelt sowie ein Fehlen von Konzepten zur Kostensenkung wie öffentlich-private Partnerschaften und eine leistungsorientierte Auftragsvergabe. 

Mit solchen Maßnahmen könnten die Beschaffungskosten um 10 Prozent gesenkt werden, rechnen Kerkhoff und Hofmann vor. Dabei stützen sie sich auf Erfahrungen bei privaten Unternehmen, international üblichen Orientierungswerten und auf drei methodische Prozesse. Dabei beziehen die Betriebswirtschaftler auch Möglichkeiten der Korruption ein oder die Notwendigkeit, dass ein Unternehmen oder Staat aus politischen Gründen bevorzugt Anbieter aus der Region zu berücksichtigen hat. So nimmt bei Unternehmen, die vor der Insolvenz stehen, die Korruption von Einkaufsleitern zu. Die Bestechung sichert ihm im Fall des Verlusts des Arbeitsplatzes die Zukunft. 
Unausgeschöpftes Potential für Einsparungen diagnostizieren Kerkhoff und Hofmann zum Zweiten aus der niedrigen Beschaffungsquote Griechenlands. Denn der griechische Staat produziert viele Leistungen teuer selbst, anstatt sie preiswerter einzukaufen. Daher liegt in Griechenland der Anteil der öffentlichen Beschaffungen bei 12,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, im EU-Durchschnitt aber bei 16,3 Prozent, in den Niederlanden sogar bei 21,5 Prozent. Sollte Griechenland diesen Wert erreichen, könnte es jährlich 4 Milliarden Euro sparen, bei dem EU-Durchschnittswert immerhin 1,7 Milliarden Euro, hat Hofmann errechnet. Erforderlich wären dazu ein Outsourcing von Verwaltungsprozessen, von IT-Dienstleistungen und von Personaldienstleistungen. 

Die Richtlinien der EU, die von den einzelnen Parlamenten unterschiedlich umgesetzt werden, haben nicht dazu geführt, dass Griechenland sein öffentliches Beschaffungswesen modernisiert hat, Kerkhoff plädiert daher dafür, dass die anderen EU-Regierungen Druck auf Athen ausüben, drei konkrete Maßnahmen einzuleiten. Erstens soll Griechenland seine Gesetze novellieren, damit die Einkäufe in einem marktüblichen Umfeld und unter Wettbewerbsbedingungen stattfinden. Große Aufträge dürften nicht mehr ohne Ausschreibungen vergeben werden. Zweitens soll Griechenland eine zentralisierte Beschaffungsbehörde einrichten, deren Vergabeprozesse extern kontrolliert werden sollten. Drittens müsste sichergestellt sein, dass in einem offenen Wettbewerbsprozess auch ausländische Unternehmen anbieten können.

Griechen verschwenden im öffentlichen Einkauf Geld

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