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21.12.2011

Mission im Blaumann

Spezialberater setzen ihre Ideen in Fabrik und Büro gemeinsam mit der Belegschaft um

 
 

Lutz Bergmann und Simon Wörpel 

Der Fräsmaschinenbauer Chiron im baden-württembergischen Tuttlingen will seine Montagestrecke umbauen. Dafür hat sich das Unternehmen Hilfe von Porsche Consulting ins Haus geholt. Zunächst sollen zwölf ausgewählte Mitarbeiter kleine und große Kartons falten, ineinander legen, zumachen und frankieren. Im ersten Durchgang erledigen die Mitarbeiter diese Aufgabe frei Schnauze. Am Ende gibt‘s einen Haufen von kleinen und großen Kartons, ganz fertig sind davon allerdings die wenigsten. Einen Vortrag und drei Simulationen weiter ist das Verfahren kaum wieder- zuerkennen: 15 Sekunden brauchen die Chiron-Leute jetzt nur noch für einen Karton — und eine Person weniger. Die Mitarbeiter sind verblüfft. 

Was sich ein bisschen anhört wie Kindergeburtstag ist eine vertrauens- bildende Maßnahme. „Ein guter Berater braucht wie ein erfahrener Bergführer das Vertrauen aller in der Gruppe, damit jeder ihm ohne Zweifel folgt, sagt Gregor Grandl, Geschäftsbereichsleiter bei Porsche Consulting. Schließlich wollen die Berater über Wochen hinweg mit der Belegschaft eng zusammenarbeiten, Porsche Consulting setzt auf Umsetzungsberatung. Der Hauptunterschied zu den Strategieberatungen, wie sie üblicherweise Firmen wie McKinsey und Co. bei Großkonzernen anwenden: Ziehen die einen sich nach abgeschlossener Problemanalyse zurück, bleiben die anderen und setzen die besprochenen Verbesserungen mit der Belegschaft um. Das liegt besonders beim Mittelstand im Trend. 

„Der Mittelstand hat erkannt, dass er immer mehr externe Unterstützung braucht, sagt Klaus Reiners vom Bundesverband Deutscher Unternehmensberater (BDU). Nach einer Studie seines Verbands machten die rund 14000 Beratungsfirmen in Deutschland 2010 einen Umsatz von fast 19 Mrd. Euro. Wie groß der Anteil von Umsetzungsberatungen daran ist, lässt sich nicht genau sagen, denn viele große Strategieconsulter bieten ebenfalls diesen Service. 

Der funktioniert dort am besten, wo es Probleme etwa in der Organisation, bei Arbeitsabläufen oder IT-Projekten gibt. Braucht der Klient ein neues Homepagesystem, engagieren die Berater Programmierer, die mit den IT-Spezialisten der Firma das neue System installieren. Reiners sieht darin einen entscheidenden Grund für die Methode: „Der Mittelständler kalkuliert so eng, dass er nicht wochenlang Personal für die Umsetzung abstellen kann. 

Aber nicht nur aufgrund knapper Kassen oder fehlenden Know-hows bevorzugten Mittelständler diesen Beratertyp, sagt Torsten Wulf, Professor für Strategisches Management und Organisation an der Leipzig Graduate School of Management. „Man kann besser mit Leuten vor Ort reden, wenn man ihre Sprache spricht. Genauso ist das mit Beratern, die sich an ihre Klienten angepasst haben. Statt feinem Auftreten mit Anzug, Krawatte und Powerpoint-Präsentation wird in der Praxis beherztes Zugreifen im Blaumann lieber gesehen. Um Mittelständler zu überzeugen, braucht es eine Menge Ahnung von der Materie. Und der angestrebte Mehrwert müsse eindeutig erreichbar sein, sagt Managementfachmann Wulf. Schließlich koste ein Tag der teils monatelangen Beratung mindestens 1000 Euro. 

Die drei Berater der Porsche Consulting scheinen ihr Geld wert gewesen zu sein. Sie haben zusammen mit den Chiron-Mitarbeitern die Firma nachhaltig verändert. Vorher arbeiteten die Monteure in einer Box, in deren Mitte die Fräsmaschine entstand. Das Material für die Montage lag inner- und außerhalb der Box herum. Heute wird an einer langen Produktionsstraße montiert; die einzelnen Teile werden sofort nach Anlieferung verbaut, sodass eine Lagerhalle überflüssig ist. Die Hauptlaufwege der Mitarbeiter sind durch gelbes Klebeband auf dem Boden markiert, was ihre Strecken um ein Drittel verringert hat. Eine Fräsmaschine wird nun doppelt so schnell produziert wie bislang. 

Neben der Produktion ist vor allem der Einkauf häufiges Ziel von Umsetzungsberatungen. Darauf spezialisiert ist Kerkhoff Consulting in Düsseldorf. Geschäftsführer Gerd Kerkhoff war selbst lange Zeit Geschäftsführer eines mittelständischen Unternehmens. Nun versuchen er und seine Mitarbeiter, die Einkaufskette von Mittelständlern zu verbessern. In einer Analysephase beobachten die Berater das Unternehmen. Laut Kerkhoff lassen neun von zehn Firmen die anschließenden Verbesserungsvorschläge von der Beratungsfirma auch umsetzen: Die Umsetzung dauert bis zu einem halben Jahr. Dazu werden drei bis fünf Berater pro Unternehmen abgestellt. Ist das neue Konzept im Betrieb etabliert, gibt es regelmäßig Controlling-Tage. Schließlich, sagt Gerd Kerkhoff, zeige sich erst nach der Umsetzung, wie gut ein Konzept gewesen sei.

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